750 Jahre Rahlstedt - 750 Jahre Kirche
in Alt-Rahlstedt
zur
Zuverlässigkeit der Daten
Dieses Dokument ist der berichtigte und erweiterte
Festvortrag, den ich 1998 in der Eröffnungsveranstaltung der Kirchlichen
Woche zum Rahlstedt-Jubiläum gehalten habe und um dessen Veröffentlichung
ich von verschiedenen Seiten gebeten wurde.
Zur Vorbereitung des Vortrages lag mir nur Sekundärliteratur vor - ausgenommen
die Urkunden von 1248 und 1252 . 1998 stand mir auch die Kirchenchronik nicht
zur Verfügung. Ich hatte sie darum wörtlich nur zitiert, wo mir die
Zuverlässigkeit durch genaue Übereinstimmung der Zitate in verschiedenen
Werken der Sekundärliteratur glaubwürdig erschien. Das wurde nachträglich
durch Einsichtnahme in die Originalchronik bestätigt.
Allerdings wurde für mich dabei eine neue Problematik sichtbar. Die Zitate
in der Sekundärliteratur sind der Kirchenchronik entnommen.
Bis zur Einsichtnahme in das Original vermutete ich, dass die Chronik seit Jahrhunderten
geführt wurde.
Das Original der Kirchenchronik weist in seiner Einleitung aber darauf hin, dass
ihr historischer Teil von ihrem ersten Chronisten - Propst Chalybaeus
- in den Jahren von 1897-1902 zusammengestellt und (1903) darauf
in der vorliegenden Form überarbeitet wurde.
Chalybaeus sagt im nächsten Satz, dass eine erneute Durcharbeitung der
Rechnungsbücher gewiß nicht nur manche Ergänzung, sondern auch
vielfache Berichtigung ergeben würde.
Leider ist eine Überprüfung seiner Angaben heute - fast hundert Jahre
später - nur in wenigen Fällen möglich. Die meisten Archivbestände
lagerten schon zur Zeit von Propst Chalybaeus im Propsteiarchiv , das 1943
bei der Ausbombung (in Wandsbek) vernichtet wurde.
Darum ist
letztlich auch die Korrektheit der Kirchenchronik (vor allem
in allen Einzelheiten) wie die der Daten, die ich der Sekundärliteratur
entnahm, nicht zu gewährleisten. Wie wichtig eine kritische Beurteilung
vor allem der Sekundärliteratur ist, zeigt die in diesem Artikel
berichtete Episode von den Kronleuchtern in der Alt-Rahlstedter
Kirche, die bisher (vermutlich durch einen Schreibfehler in einer Veröffentlichung,
der von nachfolgenden Autoren ungeprüft übernommen wurde)
falsch datiert und einem falschen Spender zugeordnet wurden.
Selbst Berichtigungen geben nur vorläufige Erkenntnisse wieder, die durch
neue Forschungsergebnisse vielleicht korrigiert werden müssen. Dafür
ein letztes Beispiel:
In der Festschrift 1998 zum Rahlstedt-Jubiläum habe ich geschrieben: In
allen Büchern und Broschüren über Rahlstedt ist seit der kirchlichen
Festschrift von 1965 diese Glocke (von 1494) als die kleinere angegeben.
Der Fehler hat seine Ursache darin, dass es ursprünglich noch eine zweite
mittelalterliche Glocke von 1580 gab, die die größere der beiden Glocken
war. Sie wurde im ersten Weltkrieg abgegeben.
Diese Erkenntnis - auf Grund der Festschrift 1949 gewonnen - muss ich
nach Einsicht in die Kirchenchronik von 1903 erneut korrigieren: Denn die beiden
anderen Glocken, die da noch vorhanden waren, waren nach Chalybaeus Angaben mit
jeweils 125 kg wesentlich leichter und dementsprechend kleiner als die
Glocke von 1494 mit ihren 930 kg.