In den Gedichten aus dem Jahr 2000 haben meine Gefühle überwiegend Erinnerungen an die dunkelsten Jahre meiner Kindheit und Jugend
"verarbeitet".
Ich habe lange Zeit gezögert, mich zu outen, aber durch meine "Begleitung" vieler "Leidensgefährtinnen" den Mut dazu gefunden.
Traum Ich liege im Bett und träume
Und sehe durchs Fenster die Bäume
In ihnen die Vögelein singen
Mir sehnsüchtig Wünsche sie bringen:
Ach so fröhlich wie sie möcht ich sein
Die Freiheit genießen so fein
Fliegen, wohin immer ich will
Nicht eingesperrt sein so still.
Doch Träume sind Schäume - o Graus
Nur im Traum kann ich hinaus
Dort wo die Vögelein sind.
Und frei sein wie ein anderes Kind.
Wie schön wär es jetzt nun, zu spielen
Zu springen zu toben mit vielen
Doch kann es nur selten so sein.
Denn meist sperrt man mich ein.
Tränen
ch möcht die Tränen fließen lassen,
doch leider darf ich nicht.
Die Leute sehen mein verheultes Gesicht
Und schütteln nur den Kopf.
Ich habe dir unendlich weh getan,
damit auch selber mich verletzt,
doch kannst du es selbst nicht sehn
wie traurig mir das Herz.
Die andern würden's nicht verstehn,
drum lasse ich das Weinen sein,
und bitte nur, dass du vergibst,
was ich dir angetan.
Leben dürfen leben können und dürfen,
wie ich es möchte,
frei sein, Träume zu leben.
aber: „Du musst!“
Warum???
Warum nicht: „Du darfst !“ ?
Verständnis finden
für das,
was ich möchte:
das wäre Leben -
aufatmen,
Kräfte entfalten,
frei sein und
frei bleiben.
Warum? Warum darf ich nicht zu den andern?
Warum sperrst du mich ein?
Ich möcht so gern zu den andern.
Warum darf es wieder nicht sein?
Teddy Mir wurde mein Teddy genommen.
Denn: „Du bist nun viel zu groß!“
Doch frag ich mich jetzt beklommen:
„Was mach ich nur bloß?“
Ihm konnte ich alles stets sagen,
was niemand anders sonst weiß,
Bei ihm durft' ich weinen und klagen,
Kummer und Sorgen - so heiß.
An ihn mich ankuscheln, anschmiegen,
wenn einsam und hilflos ich war.
er half mir, die Angst zu besiegen,
bei ihm fand ich Trost wunderbar.
Mir wurde mein Teddy genommen.
Ich fühle mich aber noch klein.
Wo kann ich nun Hilfe bekommen?
Wer wird mein Tröster nun sein?
Kind
Ich möchte sein wie ein Kind
spielen wie ein Kind
mich freuen wie ein Kind
weinen dürfen wie ein Kind
mich kuscheln wie ein Kind
umarmen lassen wie ein Kind
getröstet werden wie ein Kind
Wie ein Kind? Ich bin ein Kind!
Nein ich darfs nicht sein
Kinderaugen
(Dieses Gedicht kam mir in den Sinn
beim Betrachten eines Kinderbildes und
einer Weihnachtskarte, die ich mit sieben
Jahren für meine Mutter anfertigte und
auf die ich schrieb:
„Ich will auch artig sein und nicht mer weinen.“
Weinen war Unartigkeit und wurde bestraft.
Warum ich weinen musste, interessierte niemanden.)
Kinderaugen sagen viel,
denn sie können nichts verstecken,
verraten alles an Gefühl,
das die Erlebnisse erwecken.
Manchmal sind die Mienen heiter,
wie es wurde anerzogen.
Doch die Augen sagen weiter,
was die Seele hat betrogen:
Allen Kummer, Ängste, Leid,
alle Qualen, Nöte, Sorgen,
alle Herzensbitterkeit,
alle Hoffnungslosigkeit für morgen.
So *erklingt* durch Kinderaugen
Still und leis ein Hilfeschrei
Für Ohren, die zum Hören taugen
Und achten, wo zu helfen sei.
Doch viele Große hören nicht,
verweigern die Geborgenheit,
löschen aus das Lebenslicht,
und stoßen in die Dunkelheit.
Zwar die Kinder vegetieren
weiter, aber leben nicht.
Doch keiner merkt, dass sie erfrieren,
wer nicht sieht in ihr Gesicht.
Darum beugt euch zu den Kleinen!
Schließt sie in die Arme ein!
Ertragt geduldig auch ihr Weinen!
Denn Tränen können sehr befrein.
Abschied
Du hast mich hinter dem Fenster entdeckt,
aus dem ich sehnsuchtsvoll schaut',
hast in mir Lebenskräfte geweckt,
die zuvor waren verbaut.
Versteckt hat man mich immer:
„Es ist so besser für dich!
Bleib lieber in deinem Zimmer!
Wir schützen und sorgen für dich!
Doch du hast durch die Mauern gesehen;
und die andern erlaubten mir gar,
aus meinem Zimmer zu gehen,
in deinem Schutz - wunderbar!
Du hast mir den Trost gegeben,
wann immer er nötig war,
durch dich durfte ich wirklich leben.
Noch einmal: es war wunderbar.
Das alles ist plötzlich zu Ende.
Der Weg zu mir ist dir verbaut:
Ich starre auf leere Wände,
kein Fenster mehr, durch das ich geschaut.
Die andern werden mich wieder verstecken.
Und wenn jemand dann nach mir fragt:
Wird man ihn abweisen, verschrecken,
und vermutlich bekommt er gesagt:
Sieh: schön ist das Haus gebauet,
die Fassade bestaunt jedermann.
wie es drinnen ausschauet,
geht niemand anders was an.
Einsamkeit
Wie einsam bin ich - verlassen,
traurig ist mein Gefühl.
Ich möchte das Trostlose hassen,
das niemals enden will.
Zwar viele Freunde ich habe.
Und alle sind furchtbar lieb,
achten das Leid, das ich habe,
und das in Erinnerung blieb.
Die Zeit mit ihnen zusammen
ist immer wunderschön.
Doch allzu schnell vergangen,
wenn sie dann wieder gehn.
Um so schlimmer die Stunden ätzen,
in denen alleine ich bin,
in denen Gefühle verletzen,
die tief im Inneren drin.
Verstehen kann sie keiner,
weiß selbst nicht, was mich da umtreibt.
Ich bin schon dankbar, wenn einer
mir schützend zur Seite bleibt.
Sonnenuntergang Kurz war der Tag.
Die Sonne
begann ein wenig zu wärmen.
Doch jäh kam das Ende,
die Sonne versank.
Tief und schwarz ist die Nacht.
Vor Frost ich erstarre.
Die Sonne wird wieder erwachen,
doch bis dahin bin ich erfroren.
Wolken
Wolken ziehen über den Himmel,
mit ihnen ziehet mein Sinn -
voll Sehnsucht meine Gedanken
dorthin, wo du jetzt bist.
Vielleicht blickst auch du in den Himmel,
träumend erblickst du auch mich,
unsre Gedanken verschmelzen -
wie die Wolken dort über uns.
Ach es sind nur Wünsche und Träume
Aus großer Sehnsucht nach dir.
Geborgenheit möchte ich finden
in der tröstenden Nähe bei dir
Totenstarre der Gefühle
(nach dem tödlichen Autounfall einer 17jährigen )
"Lass nur die Tränen heraus!
Denn das Weinen befreit!"
Doch, was soll ich machen, o Graus,
wenn nichts in mir dazu bereit?
Trauer hat fest mich umklammert,
so fest, dass alles erstarrt,
das, was ein anderer bejammert,
wie Eis und Beton in mir harrt.
Gute Freunde sprechen
einfühlsam ihr Beileid mir aus,
doch keiner kann ihn zerbrechen:
den Panzer und führn mich heraus.
Ein Gefühl, das immer ich kenne,
wenn der Tod liebe Menschen mir raubt;
ich stets gegen Wände dann renne.
Nichts hilft, was ich bis dahin geglaubt.
Warum nur musste sie gehen?
Ohne Antwort die Frage verhallt.
Hilflos müssen andere sehen,
wie Trauer Gefühle umkrallt.
Doch will ich auch diesmal erhoffen,
dass Freunde zur Seite mir stehn.
Stumm - als wären sie selber betroffen,
aber getreu mit mir gehen,
bis ihr liebvolles Begleiten,
das Eis zum Schmelzen gebracht,
die Starre erlahmt - neue Zeiten
der Lebenslust in mir erwacht.